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Zum neuen Abendmahlstisch in der Neustädter Stiftskirche

Rundfunkbericht vom 17. Dezember 2015, Antenne Pfalz 94.2


Texte

Ein Gespräch zwischen Franz Armin Morat und Ulrike Düwell

UD: Ich finde es bei Dorothée Aschoff immer wieder auffallend, wie sehr Körper mitgedacht ist. In den neuen Arbeiten, den großen Zeichnungen, scheint das zunächst verändert: es geht nicht mehr darum, dass Körper eingehüllt, geborgen, wird. Trotzdem ist das Körperempfinden auch hier noch spürbar. Lustig fand ich, dass Dorothée Aschoff selbst über eines der Blätter, bei dem in der oberen Ecke ein helles Loch offen bleibt, sagte: »… der Blick durch den Rollkragen…« Das Körpergefühl schwingt immer mit.
Vielleicht liegt das daran, dass sie von der Bildhauerei her kommt.

Franz Armin Morat: Wobei sie ja im strengen Sinne keine Bildhauerin ist. Sie ist das, was die Italiener lo scultore nennen, die Franzosen le sculpteur, nur die Deutschen sagen Bildhauer, dabei ist das nur ein Teilaspekt der plastischen Arbeit, das »Herausschlagen«. Dorothée Aschoff baut dagegen auf, schon als sie 1991 hier zum ersten Mal in Erscheinung trat, im Zuge eines Bewerbungsvorganges um ein Stipendium der Cusanus-Stiftung, gab es von ihr gar nichts anderes als Papier-Plastiken.

UD: Sie sagt, auch da waren Kohlezeichnungen dabei, aber die sahen sehr anders aus, als diese neuen. Bei denen hatte ich zuerst das Gefühl, das ist etwas komplett Anderes. Das ist flach, da wird nicht modelliert, da geht es wirklich nur um die Linie.

Franz Armin Morat: Aber es wird auch aufgebaut.

UD: Genau, es ist eine Verstrebung im Bildraum, und man sieht eben auch, es ist nicht nur Linie, sondern die Linie wird ein kleiner Körper. Das Andere ist, wenn man sie hört, wie sie das Material wählt und wie sie es bearbeitet, am Boden, in der Waagerechten, dann erkennt man eben wieder ein Schaffen am Material, mit Kraft, obwohl die Zeichnungen zunächst weniger körperhaft erscheinen.

Franz Armin Morat: Die kosten sogar sehr viel Kraft. Und die Blätter sind wahnsinnig empfindlich, weil sie nicht fixiert sind.

UD: Das eben empfinde ich als eine Art Paradigmenwechsel: man hat wirklich weißes Papier und diese sehr ölige Kohle, die natürlich verwischt, wenn man darauf kommt. Das steht in einem Gegensatz zu den Papier-plastiken, bei denen man das Gefühl hat, das Material ist durchgelebt und es verträgt, dass man es anfasst. Es ist viel widerstandsfähiger, als jetzt die Zeichnungen, die wirklich sehr mit Vorsicht zu behandeln sind. Aber was dieser Wechsel für die Erlebniswelt des Künstlers und der Betrachters bedeutet, ist mir noch nicht klar.

Franz Armin Morat: Es wundert mich immer wieder, dass im Kunstbetrieb fälschlicherweise davon ausgegangen wird, daß vor dem Betrachter ein bestimmtes Bild erscheint. Und der Betrachter ist dann allzu schnell damit zufrieden, das, was er in häufig viel zu kurzen Augenblicken zu sehen bekommt, sei jetzt das Kunstwerk. Dabei geht eine Grunderfahrung von vornherein verloren, auf die es in Wahrheit zentral ankommt, und die schlechterdings die Grundlagen der visuellen Wahrnehmung überhaupt betrifft.
Auch an Dorothée Aschoffs Gruppe von großformatigen Kohlezeichnungen lässt das sich nachvollziehen. Dazu eine kurze Reflexion über den Begriff der Anamorphose. Eines der prominentesten Bilder von Hans Holbein dem Jüngeren, in der National Gallery in London zu sehen, stellt zwei prächtig gekleidete sogenannte Gesandte oder Botschafter dar, unter denen sich eine nicht identifizierbare ovale Fläche befindet. Wenn der Betrachter gerade vor dem Bild steht, egal mit welchem Abstand, kann er die nur als amorphe Fläche wahrnehmen. In dem Maße, in dem er den Winkel zum Bild von der Frontalen auf 5 Grad reduziert, egal ob er links oder rechts, schnurrt das Gebilde, das er gar nicht identifizieren konnte, zu einem Totenschädel zusammen. Und es liegt überhaupt nicht im Ermessen des Betrachters, ob er den als solchen erkennen will oder nicht, sondern es ist ein objektiv nachvollziehbares optisches Phänomen, dass aus dieser Fläche ein Totenschädel wird.

UD: Aber auf Dorothée Aschoffs Zeichnungen ergeben sich beim Perspektivwechsel keine vollständig neuen Formen. Ich musste eher an Veduten Canalettos denken – man bewegt sich, und auch im Bild scheinen sich Abstände und Winkel zu wandeln. Das ist natürlich keine richtige Anamorphose.

Franz Armin Morat: Es ist die Grundlage der Anamorphose – die ist, so wie sie bei Holbein durchgespielt wird, ja ein Extremfall. Aber das Prinzip, dass es eben die eine Erscheinungsweise gar nicht gibt, genau das liegt allen künstlerischen Äußerungen zugrunde.
Die Arbeitsweise von Dorothée Aschoff bei den Zeichnungen hat auch Ähnlichkeit mit der von Detlev Roth, der seine Bilder auch waagerecht bemalen muss, weil ihm sonst die Farbe wegrennen würde, die sehr flüssig ist. Das heißt, wie Frau Aschoff erlebt er seine Bilder im Entstehen auf die eine Körperlänge Abstand. Erst danach, wenn sie hier hängen, kann er drei Meter, fünf Meter, fünfzehn Meter, dreißig Meter Abstand nehmen. Und dann sieht man plötzlich Dinge, die hat er beim Malen gar nicht sehen können. Und doch sind sie da.
Es muss also so was wie Intuition geben, die die Künstler veranlasst, bildnerische Strategien zu entwickeln, die diese Beobachtungen nachher absolut beweisbar zulassen, wenn man den Abstand nehmen kann und die unterschiedlichen Lichtverhältnisse erlebt.
Und bestimmte perspektivische Aspekte sind auch bei Dorothée Aschoff absolut präsent, die sie bei der ei- gentlichen Herstellung selber auch nicht sehen konnte.

UD: Dorothée Aschoff fotografiert aber zwischendurch den Arbeitsstand der Zeichnungen aus einem Abstand von sechs Metern. Sie unterbricht also die Arbeit, tritt zurück und kann dann mit der gewonnenen Seherfahrung weiterarbeiten. Mit Hilfe einer Sofortbildkamera entwickelt sie ihre eigene Möglichkeit, ihre Arbeit im verkleinerten Maßstab sehr präzise zu analysieren.
Sie arbeitet bei dieser Serie ja auch nicht mit Farbe, das heißt, die Wirkung unterschiedlicher Lichtintensität hat in diesem Fall wahrscheinlich eine weniger überraschende Wirkung, es ist eher die Veränderung des Blick- winkels, vielleicht auch des Lichteinfallswinkels, die die Wirkung beeinflusst.

Franz Armin Morat: Unabhängig davon gibt es die konkrete und auf jeden Fall nachvollziehbare Erfahrung des einzelnen Betrachters, dass es zu einer Vielzahl durchaus substantiell verschiedener Erscheinungsweisen im Wahrnehmungsapparat des Betrachters kommt. Der Künstler kann dem Betrachter da gar nicht helfen, und auf dem Bild selbst ändert sich nichts. Es kommt ja auf den Erkenntnisvorgang im Bewusstsein des Betrachters an. Und da gibt es eben verschiedene Einwirkungen. Morandi etwa spricht »von den Formen, den Farben, dem Raum und dem Licht«. Das ist sind die vier entscheidenden Begriffe: Form, Farbe, Raum, Licht. Diese Äußerung Morandis aus einem Radio-Interview ist das einzige Dokument, wo er sich überhaupt zu theoretischen Fragen äußert.

UD: Das geht aber auch ins Atmosphärische. Bezogen auf Dorothée Aschoffs Kohlezeichnungen können je nach Betrachtungswinkel die Linienverläufe dem Betrachter das Gefühl geben, er verfange sich wie ein Fisch im Netz. Und sie arbeitet ja auch mit Zwischentönen, geht dem Radiergummi über die Kohlelinien, so dass es Grauwerte ohne Ende gibt und die Striche auch rund werden, sich die Formen also wandeln. Die sind dann nicht mehr scharfkantig, sondern die Linie an sich erhält eine Plastizität…

Franz Armin Morat: Als wenn es Schnüre wären, daumendicke Schnüre!

UD: … und je nachdem wie das Licht darauf fällt, wirken sie schroff und verstellen die Welt, oder sie bekommt etwas Weiches. Das sind atmosphärische Effekte, Dorothée Aschoff selbst hat mit erzählt, dass sie einmal im späten Abendlicht die Weiche Materialität der Kohleoberflächen besonders intensiv erlebt hat.

Franz Armin Morat: Vor kurzem hat man in Paris in der Orangerie, wo die Glasdächer der 1920er Jahre jahrzehntelang seit dem Zweiten Weltkrieg zu waren, den Status quo ante wieder hergestellt und die Glasdächer in der authentischen Form der zwanziger Jahre wieder hergestellt. Und unter ihnen, die ja die Außenhaut bilden, hat man aber eine zweite Glasdecke eingezogen und den Zwischenraum voll durchmontiert mit elektrischen Lampen. Jetzt hat man wieder nur elektrisches Licht!
Wieso geht das so schwer in die Köpfe, warum fürchten sich die Museumsleute anscheinend geradezu, die Veränderungen durch natürliches Licht nachzuvollziehen? Offenbar weil sie der Fiktion nachlaufen, es gäbe die eine optimale Erscheinungsweise. Das ist doch Unfug! Obwohl die technischen Voraussetzungen durch die Wiederherstellung der alten Glasdächer doch optimal wären, konterkariert man das mit elektrischem Licht!

UD: Vielleicht ist es eine Art Selbstvergewisserung Wenn ich eine Sache im immer gleichen Licht sehe, dann erkenne ich sie auch leicht wieder. Vielleicht spielt auch hinein, dass sich viele Betrachter so tief gar nicht einlassen wollen, oder die Zeit dafür nicht haben, aber dem bildungsbürgerlichen Anspruch trotzdem nachkommen wollen. Und dann will man natürlich – Stichwort White Cube – bloß keine Ablenkungen, kein Schlaglicht, keine Schattenwürfe, Objektivität!
Wenn ich in meinem unprofessionellen Wohnraum ein Bild hängen habe, dann macht das solche Veränderungen natürlich alle mit, jeden Tag.

Franz Armin Morat: Das soll ja auch so sein.

UD: Man sollte sich für die Ausstellung einfach Zeit nehmen, länger bleiben, öfter wiederkommen und sich auf die Arbeiten einlassen.

Wie man Vergangenheit neu erfindet.

Die Bildhauerin Dorothée Aschoff.

‚Schlitten‘, ‚Ziehwagen‘, ‚Ackerschiene‘, ‚Feldgerät‘ – so oder so ähnlich benennt die Bildhauerin Dorothée Aschoff ihre Malerei und ihre plastischen Arbeiten. Boot, Ziehwagen, Feldgerät, Ackerschiene – dabei scheint es sich um Dinge aus der Alltagswelt bzw. um einfache Gebrauchsgegenstände zu handeln. Es geht offensichtlich um (Fort) – Bewegung: Schlitten und Boot, um (Erd) – Bearbeitung: Feldgerät, Ziehwagen, Pflugscherben. An Aufbruch, Reise und Ankunft des Menschen ließe sich denken, doch nicht aus historistischer bzw. analytischer Perspektive wird diese lange Geschichte erzählt, sie wird vielmehr in der zeitlos unbestimmten Sicht mythischer Bebilderung plastisch gemacht. In der Malerei, z.B. der Serie „Köpfe“ geht Dorothée Aschoff von der skulpturalen Grundform, nämlich der Kugel aus. Die „Köpfe“ strahlen eine merkwürdige Entkörperlichung aus, sie changieren zwischen Larve und Gesicht, denn sie bleiben metaphorisch unbestimmt. Auch die plastischen Objekte  wirken wie gestrandetes, geborgenes Treibgut aus dem versiegenden Mythenmeer, sie wirken tatsächlich wie eigenartige Findlinge aus der Welt der UrGeschichte(n). Doch es handelt sich nicht einfach nur um ästhetische Nachbauten von archälogischen Fundstücken, die Objekte demonstrieren die existentielle Bedeutung einer Dingwelt, die dem Menschen im „realen“ Verlauf der Historie abhanden gekommen ist. In dem unspektakulären Material, mehrlagigen Papierbahnen, die mit Weizenstärke verfestigt werden, liegt ein subtiler Einspruch gegen eine Tradition der Bildhauerei, die mit Materialien wie Metall oder Stein monumentale Wirkungen erzielt und damit ein Überdauern im Zeitlauf suggeriert. Gegen verstaubtes Herrscherlob auf Mamorsockeln setzt diese Bildhauerei auf universelle Symbolik und bringt Erinnerungswürdigkeit mit Gebrauchsfähigkeit und Poesie in Verbindung. Doch auch das leichtgewichtige Arbeitsmaterial hat eine überraschend monumentale Wirkung. Monumentalität ist Behauptung, so scheint es, ist bloß ästhetischer Schein, denn Verletzlichkeit steckt hinter der monumentalen Geste. Das scheinbare Gewicht dieser Arbeiten aus Papier hat zudem eine raffinierte Entsprechung im „trompe d’oeil’-Effekt in der Malerei. „Nur als ästhetisches Phänomen ist die Welt gerechtfertigt“, an dieses Diktum Friedrich Nietzsches aus der „Geburt der Tragödie“ könnte man sich erinnert fühlen. Doch Dorothée Aschoff geht es wohl weniger um die Wiederbelebung des Mythos in der Moderne, sondern vielmehr darum, ästhetische Verweise herzustellen, die sich aus dem reichen Konnotationsschatz des archetypischen Formenkanons entnimmt. Sie betreibt eine Art von hintergründigem Nachspiel(en) der alten Urszenen auf dem Feld der bildenden Kunst, vielleicht – damit der Betrachter in der Zeit so etwas wie Stille wiederentdecken kann und mit der Zeit erkennt, was für die Arbeit der Erinnerung wirklich wesentlich ist.

Wolfgang Heger, Stuttgart

Der modo Verlag über das Buch »Dorothée Aschoff – geschichtet«

»Dorothée Aschoff – geschichtet« ist der Titel der neuen Publikation über die 1965 in Göttingen geborene Künstlerin, deren Bilder stets etwas ausgesprochen Skulpturales in sich tragen und den Betrachter in Bewegung bringen. Auf diese Weise hebelt die Künstlerin, die an den Kunsthochschulen in Braunschweig und Berlin studiert hat, den eindimensionalen Werkbegriff aus, wonach ein Bild etwas ist, dem der Betrachter still und andächtig gegenüber zu stehen hat. Die Berliner Psychoanalytikerin Dorothee von Weizsäcker bringt es in ihrem einleitenden Text folgendermaßen auf den Punkt: Die Arbeiten von Dorothée Aschoff lassen sich zwar anschauen – doch sie schauen auch an.

http://modoverlag.de/gesamtverzeichnis/titel/buch/titel/dorothee-aschoff-geschichtet//show/


Presse

Unter dem Titel »Räume der Anderen I« präsentiert die Villa Streccius in Landau stimmungsvolle Erlebnisorte, die einen Besuch lohnen

© Mannheimer Morgen, Montag, 12.02.2018, Karin Leydecker 

Grüne Schönheit: »Park II« von Jochen Hein (Acryl auf Baumwolle). © Hein/Villa Streccius

Was ist ein Raum? Die Frage ist uralt. Sie kennt viele Antworten, aber keine einzig Gültige. Wir können den Raum messen, aber er bleibt immer etwas Unbegreifliches. Mit der Ausstellung „Räume der Anderen“ in der prächtigen Villa Streccius in Landau erforschen nun 16 Künstler das Phänomen des Raumes. Die unterschiedlichsten Positionen von Malerei, Skulptur über Fotografie bis Videoinstallation nehmen den Besucher mit auf eine faszinierende Reise durch stimmungsvolle Erlebnisräume: Immer anders, immer neu!

Die Ausstellung „Räume der Anderen“ ist eine Premiere in der Villa Streccius, denn sie zeigt in zwei aufeinander folgenden Episoden das weite Feld des künstlerischen Raumes: Ein spannender Mix aus renommierter und junger Gegenwartskunst von poetisch verspielt bis zur dynamischen Eruption.

Der aktuelle erste Teil widmet sich nun den sehr sinnlichen und meditativen Interpretationen mit Arbeiten von Dorothée Aschoff (Neustadt/Weinstraße), Isa Dahl (Stuttgart), Edite Grinberga (Berlin), Jochen Hein und Lars Möller (beide Hamburg), Eva Schaeuble (Karlsruhe), Monika Schmid (Freiburg) und Sarah Oh-Mock (Berlin).

Wie von selbst gelingt der atmosphärische Dialog zwischen Kunst und der historischen Architektur der Städtischen Galerie Villa Streccius aus dem Jahr 1893, die einst das Wohnhaus des königlichen Notars Heinrich Streccius war.

Man tritt ein, und schon steht man mitten in der lichtdurchfluteten Rotunde der Villa, in der sich wie ein sanfter Flügel der filigrane „Baldachin“ von Monika Schmid herabsenkt. Mit jedem Lufthauch erzittern die winzigen Elemente aus Vliesstoff und erinnern an zarte Schneeflocken, die vom Himmelszelt fallen. Wunderschön!
Stoff zum Träumen

Eine Ausstellung mit ganz viel Stoff, aus dem die Träume sind. Auch die großformatigen Raummeditationen von Edite Grinberga – ihre stillen, hellen Zimmer, in denen der Mensch ausgespart ist – sind Projektionsflächen von Gefühl und Vorstellung. Bei Isa Dahls dynamischem Raumgeflecht „Eben still“ bleibt alles in der Schwebe: Geronnene Zeit? Innehalten vor dem endgültigen Zerfall fester Bindungen und Ordnungen? Der Betrachter darf für sich entscheiden.

Im Prachtraum der Villa, in der eine schwere Kassettendecke assoziativ an hanseatisches Kaufmannswesen vergangener Zeiten erinnert, zaubern Bootsmetaphern (Dorothée Aschoff) und der karge „Steinstrand“ (Lars Möller) bewegende Vanitas-Bilder. Wieder stellt sich die Frage nach dem Raum und man begreift, dass er eine grandiose Totalkategorie darstellt, die alle Sinne des Menschen umfasst: Raum ist Gefühl und Stimmung, Raum ist Poesie und Schönheit, Raum ist Erinnerung und manchmal sogar Heimat!

Pittoresker Zerfall architektonischer Traumkulissen ist das reizvolle Foto-Thema der Pfalzpreisträgerin Sarah Oh-Mock. Im Obergeschoss der Villa locken schließlich venezianische Parkidyllen: Begleitet von eleganten Majolika-Figurinen (Eva Schaeuble) darf man hier eintauchen in das flirrende Lichtgeriesel dunkelgrüner Parkschönheit (Jochen Hein). Ein opulentes Fest für die Sinne!

Cusanus Lecture Berlin 2016

aus: Jahresbericht 2016– Cusanuswerk, Bischöfliche Studienförderung (www.cusanuswerk.de)

Die Cusanus Lectures stehen unter dem Thema „Glaube. Ethos. Gesellschaft“. Sie bieten katholischen Intellektuellen aus dem Umfeld der Altcusanerinnen und Altcusaner eine Plattform zum Dialog. Sie richten sich aber auch darüber hinausgreifend an alle, die an einer religiösen, weltanschaulich fundierten gesellschaftlichen und politischen Debatte interessiert sind. Sie sollen ein breites Publikum ansprechen, das an Fragestellungen, Denkansätzen und Lösungsideen interessiert ist, die sich an katholischen Grundsätzen orientieren. […]
Den Einstieg lieferte Dorothée Aschoff, Bildhauerin in Neustadt an der Weinstraße. Sie stellte die Kunst vor als zentrales Element in der Geschichte Europas, als Gegenstand der Auseinandersetzung und der Entwicklung. Ergänzt durch die Idee der Freiheit, sowohl des Gedankens und der Ideen als auch des Tuns. Frau Aschoff berichtete vom Wettbewerb für einen neuen Altar in der heute als Simultankirche genutzten Stiftskirche in Neustadt an der Weinstraße. Sie hat für den Altartisch das Material Papier vorge­schlagen. Bezüge stellte sie her zum Christentum, das in der Tradition als Buchreligion steht. Neustadt liegt außerdem in einer Region, die bis heute durch das Handwerk der Papierherstellung geprägt ist und die mit der 1579 dort gedruckten Neustädter Bibel ein besonders wertvolles Exemplar besitzt.

So hat die Stiftskirche von Dorothée Aschoff einen einzigartigen Altartisch aus Papier bekommen, bestehend aus 2000 Schichten, durch Harz zusammengehalten, stellver­tretend für zwei Jahrtausende christlicher Geschichte. Die Mitte ist offen und erlaubt ein Hineinsehen in die Vergangenheit. […]


Im Web

»Etwas Geheimnisvolles«

Aus der Serie »Kunst im Büro« – Christion Dürr, Abgeordneter des Bundestages im Interview über ein Bild von Dorothée Aschoff: https://www.mitmischen.de/diskutieren/nachrichten/Oktober_2018/D__rr/index.jsp